Bist du schon einmal die Regale einer Bibliothek oder Buchhandlung entlang gegangen und hast etwas zum Lesen gesucht? Irgendwann bleiben deine Augen an einem Buch hängen und du nimmst es aus dem Regal. Was wird es gewesen sein, das dich zu genau diesem Buch und nicht zu einem der hundert anderen hat greifen lassen? Es war der Titel.

 

Jeder Workshop, jedes Seminar, Blog, Buch und jeder Zeitschriftenartikel hat einen Titel. Auf diese Weise bezeichnen wir unsere Arbeitsergebnisse und stellen sie der Welt vor. Es ist unser erster – und vielleicht einziger – Köder, um ein potentielles Publikum anzulocken. Und obwohl es so wichtig ist, wird das Entwickeln eines passenden Titels ganz oft vernachlässigt. Dabei rechtfertigt doch der eigentliche Inhalt ein wenig Bedachtsamkeit und Kreativität.

 

Hier sind fünf Techniken, wie du zu einem publikumswirksamen Titel kommst:

 

Fasziniere

Neugier ist der Zündfunke für Aufmerksamkeit. Finde einen Aspekt, ein Ergebnis oder eine Beobachtung zu deinem Thema und beziehe sie in den Titel ein. Die Herausforderung dabei ist es, den Titel relevant zu halten und nicht zu weit vom Kern deines Materials zu entfernen. Fehlt nämlich diese Verbindung, nutzt du einfach Neugier als ganz offensichtlichen Werbetrick.

Ich hätte diesen Artikel auch mit “Ein guter Titel erhöht deinen Sex-Appeal um 73%” überschreiben können. Zweifellos hätte er dann mehr Leser gefunden – diese hätten die Information, nach der sie suchen aber gar nicht gefunden und wären am Ende nur frustriert oder wütend gewesen und hätten sich betrogen gefühlt.

 

Frage

Stellst du mit deinem Titel eine Frage, signalisiert das, dass du im Folgenden auch eine Antwort darauf geben wirst. Die meisten Menschen suchen nach einer Auflösung und beziehen große Freude daraus, ein Problem aufgelöst zu bekommen. Stellst du also eine Frage, lässt du dein Publikum bereits vorab wissen, dass ihre Zeit gut investiert sein wird.

Ich hätte diesen Artikel beispielsweise auch “Schaffst du es, dir einen guten Titel auszudenken?” nennen können.

 

Zähle auf

Das Gehirn arbeitet optimal, wenn es nicht unendliche viele Informationsbrocken zu verarbeiten hat. In deinem Titel auf eine bestimmte Anzahl – drei Heilmittel, fünf Fehler, zehn Geheimnisse – hinzuweisen, gibt deinem potentiellen Publikum schon den Hinweis darauf, dass es gut gegliederte Informationen erhalten wird.

Eine Aufzählung zieht das Publikum an, denn sie nimmt das Gesamtergebnis vorweg. Erfolg wird hier nicht durch die Güte des Inhalts bestimmt, sondern einfach durch seine Menge. Dieser Artikel hätte auch einfach mit “5 Arten, dein Publikum zu erreichen” überschrieben sein können.

Die Herausforderung hier ist es, die Zahlen im machbaren Bereich zu halten. “50 Arten, deinen Liebhaber zu verlassen” (im Englischen übrigens der Titel eines Liedes von Paul Simon aus den 70ern) ist sicher ein spannender Titel, aber so eine Liste abzuarbeiten, dürfte verflixt lange dauern.

 

Amüsiere

Humor ist ein universeller Verbinder, der in der Lage ist Menschen aus allen Lebensituationen anzuziehen. Er verbreitet gute Laune und erreicht Menschen aller Altersgruppen und Professionen. Er schafft eine sichere Umgebung für Themen, ob sie belanglos oder kontrovers sind.

Beispielsweise hätte ich diesen Artikel auch mit “Ich hab’ die ganze Nacht am perfekten Titel gefeilt … und ihn dann nicht gespeichert” überschreiben können.

Hier ist die Herausforderung, darauf zu achten, das der Humor auch angemessen zum Material passt. Themen, die Leid implizieren, also beispielsweise eine Krebserkrankung oder Flüchtlingsschicksale, harmonieren nicht so richtig mit einem lustigen Titel.

 

Beleuchte

Menschen wollen sich “besonders” fühlen. Das kannst du ausnutzen, indem du vorher festlegst, wen du als Publikum genau erreichen willst. Dann kannst du einen Titel schaffen, der sich direkt an diese Menschen wendet. Richtest du dich an Ingenieure, so wäre eine Möglichkeit “Ingenieure meistern die Kunst des provokativen Titels am besten”. Für diesen Artikel hätte auch “Traum jedes Toastmasters: Ein Titel der jedem gefällt” gut gepasst.

Die Herausforderung ist es hier, nicht unabsichtlich Menschen zu verprellen, die ansonsten von deinen Inhalten profitieren könnten.

 

Fazit

Du hast viel Zeit, Energie und Leidenschaft in deine Arbeit gesteckt und deine Worte verdienen Anerkennung. Der richtige Titel hilft dir dabei, viele Augen und Ohren auf das zu lenken, was du sagen möchtest.

 


Original Text von Judith T. Krauthamer aus dem Toastmaster Magazin Januar 2018. Übersetzt von Danilo Kempf (CC Hannover Speaker) erstellt von Daniel Jeschke (VP PR Hannover Speakers)

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